| Overton - „grass roots rugby at it's best“ |
| Geschrieben von Gordon | |
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Schnell wurden die Reisenden zusammen mit allerlei Gepäck und Alkoholika in drei Miet-Vehikel gepresst und die illustre Schar machte sich auf eine 15-stündige Reise ins Land des Links-Verkehrs. Verzehrte Getränke wurden auf Old-School-Art per Unterarmstrichliste gezählt, zwischen den Businsassen wurden per Handfunkgerät Informationen und Beleidigungen, alkoholbedingt meist infantiler Art ausgetauscht und alle hatten Spaß (bis auf die Fahrer). Spätestens auf der Calais-Dover-Fähre sollten auch die ersten Insulaner merken, welch lustige Zeitgenossen das Eiland heimsuchten. „We-love-you-Ilan“ - Gesänge hallten im Minutentakt während der 1,5 stündigen Überfahrt über das Zwischendeck, bis endlich sogar das englische Damen-Basketballteam mit einstimmte (weglaufen ging ja nicht). Der Star der teutonischen Sprechchöre erwiderte jeweils die ihm zugedachten Liebesbekundungen mit einem laxen Handgruß, was wiederum zu weiteren Liebesbekundungen führte, undsoweiterundsofort... Kaum im Mutterland des schlechten Wetters angekommen, schienen sich auch alle Klischees zu erfüllen. Das beim Start in Deutschland herrliche Frühlingswetter mit knapp 20 Grad hielt genau bis zur englischen Grenze und wechselte dann in ein kalt-nasses graues Etwas mit halbierter Außentemperatur. Und es dauerte nicht lange, da zeigte sich das nächste Klischee. Beim Früstückspäuschen an der Autobahnraststätte offenbarte sich ein englischen Frühstück wie es im Buche steht. Zu schleimigem Ei und verbrannten Bohnen gesellten sich labberige Würstchen eigenartiger Konsistenz. Und da das Ganze zwar mit viel Fett aber vor allem ohne jegliche Gewürze auskam, stellten sich nur einige dem fragwürdigen Genuss britischer Küche (wobei es Einzelnen sogar geschmeckt haben soll). Andere wiederum widmeten sich lieber der flüssigen Verkostigung (7 Astra sind ein Schnitzel). Die restlichen Linksverkehrkilometer stellten sich für die Reisenden unterschiedlich dar. Während die rückwärtig Sitzenden die Fahrt in einem deliriumartig-sabbernden-Wachkoma erlebten, schlugen sich die verbliebenen drei nüchternen Fahrer über den englischen Asphalt. Nach 15 Stunden über teilweise seltsame Wald- und Wiesenwege erreichten wir als erstes Team Overton. Ein großartiger und vor allem souverän eingefahrener Sieg, denn die restlichen Mannschaften sollten erst Stunden später englischen Turnierboden betreten. Das Warten fiel aber angesichts der netten Begrüßung der Heimmannschaft, erquickender Getränke und des ovalen Spielgerätes kurzweilig aus. Die Hälfte der Reisenden zog es derweil vor, ihre Hotelzimmer Downtown zu beziehen, während sich der unerschütterliche Rest beim Zeltaufbau vergnügte. Ein Unterfangen, welches augenscheinlich ohne Anstrengung gelang, denn nachdem die Abgesandten aus ihren kein-Sterne-Appartements zurückkehrten, hatte sich der campende Mannschaftsteil doch tatsächlich zum Training auf dem schiefen overtonschen Geläuf eingefunden. Beeindruckt von der eigenen professionellen Einstellung wurde im angrenzenden Festzelt gegen Abend das ein oder andere isotonische Getränk zur Muskelregeneration eingenommen. Mittlerweile waren auch die anderen Teams eingetroffen. Engländer, Schotten, Süd-Afrikaner, Franzosen, Belgier und die Eintracht aus Frankfurt. Zunächst tastete man sich gegenseitig mit Rugbygesängen ab. Vor allem die Schotten von Inverleith taten sich hierbei hervor und gewannen die ausgetragene Yogi-Bear-Battle knapp an Strophen bevor es spät in der Nacht in die Nachtlager ging. Am Samstag war Turniertag. Endlich durfte dem ovalen Rund gefröhnt werden. Während der eine beim Aufwärmen damit rang, seine Magensäfte bei sich zu behalten, hatte der andere den Kampf schon während der Nacht verloren. Diesem Umstand und der Tarnfähigkeit von Reißverschlüssen war es zu verdanken, dass den netten Briten bei Abreise in Form eines Innenzeltes ein wertvolles Gastgeschenk gemacht wurde. Der Rest der Tapferen musste sich weiter mit Ausnüchterungserscheinungen über den Platz schleppen. Weiterhin stellte sich eine spielentscheidende Frage: Was macht man mit 7 Probs, und nur 4 Backs? So war es wenig verwunderlich, dass die Leistung gegen die Franzosen aus St. Martin du Lac wenig ansprechend ausfiel. Denn zu nahezu keinem eigenen Ballbesitz gesellten sich die ein oder anderen Stellungsfehler, was in einem deutlichen 0:32 gipfelte. Wobei die Tatsache, dass unsere französischen Nachbarn ebenfalls viele Bälle fallen ließen, bei dem ein oder anderen zu der Erkenntnis führte, dass dieser Gegner im nüchternen Zustand schlagbar gewesen wäre. Ein Umstand, der sich im Verlaufe des Turniers in „nein, die waren auch nur betrunken“ relativieren sollte, denn immerhin sollten die Franzosen das Turnier gegen den Gastgeber später nur knapp verlieren. Nach der wenig aufbauenden Radikal-Entschlackung hieß der nächste Gegner „Green Rats“. Ein Piratenteam, welches kurzfristig zusammengestellt wurde, da ein anderes Team („Black Rats“) nicht erschienen war. Da sich Philipp mal wieder nach nur kurzer Zeit im ersten Spiel verletzte, standen nunmehr nur noch 15 Tapfere zur Verfügung. Trotzdem reichte es zu einem 5:5 Unentschieden (Versuch Bensmann), wobei dieser Gegner diesmal wirklich schlagbar gewesen wäre. Dennoch hatten wir uns gegen einen wirklich hart spielenden und erfahrenden Sturm behauptet und waren entsprechend voller Tatendrang. Der nächste Gegner hieß „South Africa Invitational“, auch wenn die Hälfte der Stürmer schon zuvor bei den „Green Rats“ gespielt hatte und eher britischen Ursprungs war. In diesem Spiel gab es nochmal eine deutliche Leistungssteigerung, auch wenn die Partie leider 12:0 verloren wurde. Dennoch: Aufgrund der Spielpunktedifferenz belegten wir vor den „Green“ Rats den dritten Platz unserer Gruppe. Gegner im Plate-Halbfinale waren jetzt die Frankfurter, die in der erheblich leistungsstärkeren Gruppe I sieglos den vierten Platz belegten. Aufgrund weiterer Verletzungen (Basti, Juli) unterstützten uns jetzt einige deutschsprachige Belgier, die zuvor mit „Moin Fischköppe“ auf sich aufmerksam machten. Unsere Rugbyfreunde aus Frankfurt fühlten sich zunächst schon als Favoriten, wurden aber durch einen Sololauf von Alex und anschließendem Versuch kalt erwischt. Nach einer Minute und geglückter Erhöhung durch Henning stand es 7:0 für Norddeutschland. Danach folgte ein kämpferischer Schlagabtausch auf Augenhöhe. Frankfurt kam zur Pause auf 7:5 heran, wir ließen mehrere Chancen aus, ehe die Eintracht kurz vor Ende per Versuch das siegbringende 7:10 legte. Unsere beste Turnierleistung trübte das Ergebnis dennoch nicht und auch die englischen Zuschauer zeigten sich angetan von der leidenschaftlich deutsch-deutsch geführten Partie. Nicht zu verachten war außerdem der Vorteil, dass wir uns wieder am Gerstensaft laben konnten, während die Frankfurter das Plate-Finale gegen unsere deutschen Belgier von „Haute Fagnes“ bestreiten mussten. Unsere hessischen Freunde schienen in unserem Spiel aber derart viel Kraft gelassen zu haben, dass trotz tatkräftiger Unterstützung durch Alex, Nils und Gordon im Finale nur wenig ging. Am Ende war das Ziel erreicht. Overton gewann vor Frankreich, Schottland, Süd-Afrika und Belgien. Viel Wichtiger war allerdings, dass wir den 7. von 8 Plätzen belegten. Zum ersten Mal nicht Letzter bei der dritten Turnierteilnahme (was für ein minimalistisches Erfolgserlebnis)! Das Ziel ist klar: nächstes Mal muss auch mindestens ein Spiel gewonnen werden! Der Rest des Tages ist schnell erzählt: ein rauschendes Fest müder Rugbyspieler, nymphomane Britinnen, asiatische Pubangestellte, die Nachwuchsspieler zu langfristigem Thekenaufenthalt nötigen (oder umgekehrt). Am Sonntag versetzten wir uns in die Zuschauerrolle. Es konnten einige Jugendspiele auf hohem Niveau betrachtet werden. Highlight war allerdings das Spiel zwischen einem belgischen Tour-Team und einem englischen Old-Boys-Team. Das Duell schnelle Hintermannschaft gegen kräftigen Sturm ging überraschend klar zu Gunsten der englischen Probs aus. Ilan sammelte im anschließenden internationalen-mixed-Freundschaftspiel unter lautstarken Liebesbekundungen der Tapferen wichtige Erfahrung, ehe es an die Heimreise ging. Hier wurden die letzten flüssigen Reserven vernichtet und außer einer am Ende glücklich verlaufenden verzweifelten Tankstellen-Suche in Frankreich, gestaltete sich dieser Törn ohne besondere Vorkommnisse. Am Ende bleibt die Erkenntnis, ein geiles Rugby-Wochenende verlebt und viele neue Freunde gewonnen zu haben. Und eins ist sicher: 2011 geht es wieder nach Overton!
Mit dabei waren: Coach, Olaf, Jan, Benni, Ilan, Bensmann, Philipp, Basti, Pascal, Henning, Alex, Nils, Juli, David, Lacke, Gordon, Nina, Anne, Darlin.
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